Ein guter SAP TM/EWM Berater kostet dich vielleicht 200 Euro mehr am Tag. Ein schlechter kostet dich ein verschobenes Go-Live, Wochen mit gestoppten Lieferungen und am Ende einen zweiten Berater, der aufräumt.
Ich arbeite seit über 15 Jahren als SAP-Berater für Transportmanagement und Lagerverwaltung. In der Zeit habe ich beide Sorten erlebt. Die eine bringt ein Projekt sauber ins Ziel. Die andere hat „TM“ im Profil stehen, weil sie mal eine Schulung besucht hat.
In diesem Artikel zeige ich dir, woran du den Unterschied erkennst, bevor du unterschreibst. Mit konkreten Fragen fürs Erstgespräch, Warnsignalen und realistischen Tagessätzen.
TM ist nicht EWM: Kläre zuerst, was du wirklich brauchst
Viele Ausschreibungen suchen „einen SAP Logistik-Berater“. Das ist ungefähr so genau wie „einen Handwerker“ zu suchen. SAP TM plant und steuert Transporte: Frachtaufträge, Tourenplanung, Frachtkosten, Carrier-Auswahl. SAP EWM steuert das Lager: Ein- und Auslagerung, Wellen, Kommissionierung, Ressourcen. Es gibt Berater, die beides wirklich können. Es sind weniger, als die Profile vermuten lassen.
Noch wichtiger ist die Architektur. Läuft EWM bei dir embedded im S/4HANA oder dezentral als Sidecar? Das ist kein Detail. In einer Sidecar-Landschaft laufen die Stammdaten über CIF, im S/4HANA selbst über DRF. Manche Funktionen, die du aus dem Embedded-Szenario kennst, gibt es im Sidecar schlicht nicht. Ich habe Projekte gesehen, in denen das erst im Integrationstest aufgefallen ist. Wie du diese Architekturfrage sauber entscheidest, zeige ich in EWM auf S/4HANA: Embedded oder Sidecar?
Bevor du also Profile anschaust, schreib auf: Welches Modul, welche Release-Stufe, embedded oder dezentral, und muss TM mit EWM integriert werden? Mit diesen vier Punkten fällt schon die Hälfte der Kandidaten raus.
Woran du echte Projekterfahrung erkennst
Ein Zertifikat sagt dir, dass jemand eine Prüfung bestanden hat. Mehr nicht. Ich kenne sehr gute Berater ohne aktuelles Zertifikat und zertifizierte Kollegen, die noch nie ein Go-Live begleitet haben.
Achte stattdessen auf diese Dinge:
- Hat die Person mindestens ein Projekt von der Konzeption bis zum Go-Live und in die Hypercare-Phase begleitet? Wer nur Teilphasen kennt, unterschätzt fast immer den Aufwand am Ende.
- Kann sie konkret erzählen, was schiefgelaufen ist? Echte Berater haben Narben. Wer nur Erfolge aufzählt, war entweder nicht nah genug dran oder erzählt dir nicht alles.
- Kennt sie die Schnittstellen, nicht nur das Modul? Die meisten Probleme in TM/EWM-Projekten entstehen nicht im Customizing, sondern zwischen den Systemen: qRFC-Queues, die hängen, Lieferungen, die nicht übertragen werden, Statusabgleiche, die nicht zurückkommen. Die typischen Fehlerbilder habe ich in EWM-TM Integration läuft nicht zusammengestellt.
- Hat sie in deiner Branche gearbeitet? Ein Lager im Lebensmittelhandel tickt anders als eines im Maschinenbau. Chargen, MHD, Gefahrgut und Seriennummern verändern die Lösung stark.
7 Fragen, die du im Erstgespräch stellen solltest
Diese Fragen stelle ich selbst, wenn ich für ein Projekt Kollegen prüfe. Gute Berater beantworten sie ohne Zögern und mit Beispielen. Bei schwachen merkst du schnell, dass es schwammig wird.
- Welches TM/EWM-Projekt hast du zuletzt bis zum Go-Live begleitet, und was war deine Rolle genau?
- Embedded oder Sidecar: Mit welcher Architektur hast du gearbeitet, und was ist dir dabei aufgefallen?
- Wie bist du vorgegangen, als die Integration zwischen TM und EWM nicht lief? Erzähl mir einen konkreten Fall.
- Wie viel ABAP oder Entwicklung brauchst du, und machst du das selbst oder gibst du es ab?
- Was würdest du in unserem Projekt in den ersten zwei Wochen tun?
- Welche Risiken siehst du nach dem, was ich dir gerade erzählt habe?
- Kann ich mit einem früheren Kunden sprechen?
Frage 6 ist mein Favorit. Ein erfahrener Berater nennt dir nach zehn Minuten zwei, drei konkrete Risiken. Wer sagt „das kriegen wir hin“, hat entweder nicht zugehört oder will nur den Auftrag.
Warnsignale: Hier würde ich nicht unterschreiben
- Das Profil listet TM, EWM, MM, SD, PP und FI mit jeweils „Expertenwissen“. Niemand ist in sechs Modulen Experte. Das ist ein Generalist mit gutem Lebenslauf.
- Projekte werden nur mit Kundennamen und Laufzeit genannt, aber ohne Rolle. „18 Monate bei einem DAX-Konzern“ kann Projektleitung bedeuten oder Testdurchführung.
- Die Person verspricht feste Ergebnisse, bevor sie dein System gesehen hat.
- Fachbegriffe werden verwechselt. Ein Beispiel aus der Praxis: LDAP steht in der SAP-Logistik für Loading Appointment, also das Ladezeitfenster. Wer dir dazu etwas über Verzeichnisdienste erzählt, kommt aus der IT, nicht aus der Logistik.
- Der Berater ist sofort und unbegrenzt verfügbar. Gute TM/EWM-Leute sind meist Monate im Voraus gebucht. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber ein Grund nachzufragen.
- Er weicht der Frage nach Referenzen aus.
Was ein SAP TM/EWM Berater kostet
Die folgenden Werte sind grobe Erfahrungswerte aus meinem Umfeld im DACH-Raum, netto pro Tag. Sie schwanken je nach Region, Projektdauer, Remote-Anteil und wie dringend du jemanden brauchst.
| Profil | Tagessatz (netto, ca.) |
|---|---|
| Freelancer, 3 bis 5 Jahre TM oder EWM | 900 bis 1.100 € |
| Freelancer, Senior mit TM/EWM-Integration | 1.100 bis 1.400 € |
| Beratungshaus, Senior Consultant | 1.300 bis 1.700 € |
| Beratungshaus, Lösungsarchitekt | 1.600 bis 2.000 € |
Spar nicht am falschen Ende. Der Unterschied zwischen 1.000 und 1.300 Euro am Tag sind bei einem 60-Tage-Einsatz 18.000 Euro. Ein Go-Live, das sich um zwei Monate verschiebt, kostet dich ein Vielfaches davon. Was ein komplettes Projekt kostet, steht in SAP TM Einführung: Kosten, Dauer und typische Fehler.
Freelancer oder Beratungshaus?
Einen Freelancer nehme ich, wenn das Projekt klar umrissen ist und intern jemand die Steuerung übernimmt. Zum Beispiel ein Rollout an einen weiteren Standort, ein Erweiterungsprojekt oder Unterstützung im laufenden Betrieb. Du bekommst Erfahrung zu einem fairen Preis und redest direkt mit dem, der die Arbeit macht.
Ein Beratungshaus ist sinnvoll, wenn du eine komplette Einführung planst, mehrere Module gleichzeitig angefasst werden oder du intern keine Projektleitung hast. Dort zahlst du für Rückendeckung: Wenn jemand ausfällt, kommt Ersatz.
Ein Punkt, den viele übersehen: Auch im Beratungshaus arbeiten oft Freelancer als Subunternehmer. Frag deshalb immer, wer konkret bei dir im Projekt sitzt, und lass dir genau diese Person vorstellen. Den ausführlichen Vergleich findest du in Freelancer vs. Beratungshaus für SAP TM/EWM.
Du suchst gerade jemanden? Ich stelle dir gern Kontakte her
Über die Jahre habe ich mit vielen TM- und EWM-Beratern zusammengearbeitet. Einige davon würde ich jederzeit wieder ins Projekt holen. Wenn du mir kurz schreibst, um welches Modul, welche Architektur und welchen Zeitraum es geht, nenne ich dir ein bis zwei Leute, die aus meiner Sicht passen.
Damit es keine Missverständnisse gibt: Ich bin nur der Kontakt. Den Vertrag schließt du direkt mit dem Berater oder dem Beratungshaus, und die fachliche Verantwortung liegt bei ihnen.
Transparenzhinweis: Kommt über meine Empfehlung ein Auftrag zustande, erhalte ich eine Vermittlungsprovision vom Berater. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, einen SAP TM/EWM Berater zu finden?
Rechne mit vier bis acht Wochen bis zum Projektstart. Sehr erfahrene Leute sind oft drei Monate oder länger im Voraus gebucht.
Brauche ich für TM und EWM zwei verschiedene Berater?
Meistens ja, vor allem bei einer Neueinführung. Für die Integration beider Module brauchst du aber mindestens eine Person, die beide Seiten versteht.
Ist eine SAP-Zertifizierung Pflicht?
Nein. Sie zeigt Grundwissen, aber keine Projekterfahrung. Referenzen und ein ehrliches Erstgespräch sagen dir deutlich mehr.
Kann ein Berater remote arbeiten?
In vielen Phasen ja. Für Workshops, Tests im Lager und das Go-Live sollte er aber vor Ort sein. Ein Lager versteht man nicht über Teams.


