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Kurz gesagt: SAP Joule kann in TM und EWM heute vor allem suchen, erklären und bei der Konfiguration helfen, zum Beispiel Frachtaufträge per Spracheingabe finden oder Customizing-Fragen beantworten. Die eigentlich spannenden Funktionen sind KI-Agenten, die selbst Belege prüfen, Personal planen oder Störungen erkennen. Die kommen laut SAP 2026 schrittweise auf den Markt, fast ausschließlich für die Cloud-Editionen von S/4HANA und mit eigener Lizenz. Wer On-Premise oder ein dezentrales EWM betreibt, sollte sehr genau prüfen, was davon überhaupt verfügbar ist. Stand: Oktober 2026
Auf jeder SAP-Veranstaltung der letzten zwei Jahre gab es dieselbe Folie: Ein Disponent tippt „Der Lkw von Spediteur X ist ausgefallen, plane die betroffenen Frachtaufträge um“, und Joule erledigt den Rest. Das sieht gut aus. Als TM-Berater stelle ich mir dabei aber jedes Mal dieselbe Frage: Mit welchen Stammdaten, in welchem Release und mit welcher Lizenz?
In diesem Beitrag sortiere ich, was Joule in SAP TM und SAP EWM heute tatsächlich kann, was angekündigt ist und wo ich persönlich den größten Nutzen sehe. Ohne Marketing-Brille, aber auch ohne die Abwehrhaltung, die man in Logistikprojekten oft gegenüber KI erlebt.
Was Joule überhaupt ist
Joule ist der KI-Assistent von SAP, der in die Oberfläche der SAP-Anwendungen eingebaut ist. Man spricht in natürlicher Sprache mit dem System, und Joule greift auf die Daten und Funktionen zu, auf die der Benutzer ohnehin Zugriff hat. Seit 2025 baut SAP Joule außerdem zu einer Plattform für KI-Agenten aus, die nicht nur antworten, sondern Aufgaben selbst ausführen. Einen allgemeinen Überblick gibt es in meinem Guide zu SAP Joule. Hier geht es nur um Transport und Lager.
Was in TM und EWM heute schon geht und was angekündigt ist
Die Übersicht basiert auf den Release-Informationen und Ankündigungen von SAP. Die Spalte „Status“ gibt wieder, was SAP selbst kommuniziert. Ob eine Funktion in deinem System läuft, hängt von Edition, Release und Lizenz ab.
| Funktion | Bereich | Status laut SAP | Meine Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Frachtaufträge, ungeplanten Bedarf und Transportdaten per Spracheingabe finden | TM | Verfügbar (Cloud) | Nett, aber ein gut gepflegtes Arbeitsvorrat-Layout leistet oft dasselbe |
| Joule for Consultants: Hilfe bei Konfiguration und Best Practices | TM, EWM, alle Module | Verfügbar | Für Einsteiger ins Customizing echt hilfreich, die Antworten trotzdem immer gegenprüfen |
| KI-gestützte Wareneingangsverarbeitung | TM | Von SAP als neue Funktion genannt | Gerade bei vielen Lieferavisen interessant |
| Konversationelle Planung in der Transportplanung | TM | Von SAP als neue Funktion genannt | Hängt komplett an der Qualität der Planungsprofile |
| Joule in SAP Logistics Management: Lagerplätze abfragen und anlegen, Frachtausschreibung, Abhol- und Lieferbelege | Logistics Management | Early Adopter seit Q4 2025, allgemein verfügbar ab Q3 2026 geplant | Zielt auf die Public Cloud und kleinere Logistikszenarien |
| Joule-Agenten für die Logistik: Wareneingänge prüfen, Schichten an die Arbeitslast anpassen | Lager | Allgemein verfügbar ab Q2 2026 angekündigt | Der erste echte Schritt von „fragen“ zu „erledigen“ |
| Logistics Assistant: koordiniert die Agenten für Lager und Transport | Lager und Transport | Allgemein verfügbar ab Q3 2026 angekündigt | Spannend, aber erst nach ein paar Releases realistisch einschätzbar |
| Vorausschauende Personalplanung im Lager | EWM | Allgemein verfügbar ab Q4 2026 angekündigt | Großer Hebel, aber mit Betriebsrat und KI-Verordnung zu klären |
| Agenten für Frachtrechnungsprüfung, Ausschreibung und Störungsfrüherkennung | TM | Roadmap | Genau hier sehe ich den größten Nutzen |
Der Haken: Cloud, Lizenz und Stammdaten
Bevor man sich in die Use Cases verliebt, sollte man drei Dinge klären.
Die Edition. SAP liefert neue KI-Funktionen vorrangig für SAP S/4HANA Cloud aus, also für die Public Cloud und die Private Cloud über RISE. Wer S/4HANA klassisch On-Premise betreibt, bekommt einen großen Teil davon nicht. Beim dezentralen EWM oder einem TM als Sidecar muss man pro Funktion nachlesen, welche Bereitstellung unterstützt wird. Wer gerade vor dieser Architekturentscheidung steht, findet die Abwägung in EWM Migration auf S/4HANA: Embedded oder Sidecar?.
Die Lizenz. Joule und die Business-AI-Funktionen laufen über ein eigenes Lizenzmodell, das zusätzlich zur S/4HANA-Lizenz kommt. Die konkreten Konditionen verhandelt jeder Kunde mit SAP. Ein Business Case ohne diese Zahlen ist wertlos.
Die Stammdaten. Das ist der Punkt, an dem ich am skeptischsten bin. Eine KI, die Frachtaufträge umplanen soll, braucht saubere Frachtvereinbarungen, gepflegte Ressourcen, korrekte Zonen und Fahrpläne. In vielen TM-Systemen, die ich gesehen habe, sind genau diese Daten das Problem. Joule macht schlechte Stammdaten nicht besser, nur schneller sichtbar.
Wo ich KI in SAP TM wirklich sinnvoll finde
Ehrlich gesagt nicht beim Suchen von Frachtaufträgen. Ein Disponent, der seinen Arbeitsvorrat kennt, ist mit zwei Klicks schneller als mit einem Satz an Joule. Den Mehrwert sehe ich woanders.
Frachtkostenabrechnung. Die Prüfung von Frachtrechnungen gegen die Frachtkostenberechnung ist in vielen Unternehmen immer noch Handarbeit. Abweichungen bei Mautzuschlägen, Dieselfloatern oder Standgeld kosten Zeit und werden oft einfach durchgewunken. Ein Agent, der Abweichungen vorsortiert und begründet, spart hier echtes Geld.
Ausschreibung und Spediteursauswahl. Wenn Spediteure regelmäßig Aufträge ablehnen, landet die Arbeit wieder beim Disponenten. Eine KI, die aus dem Ablehnungsverhalten lernt und die Reihenfolge der Ausschreibung anpasst, ist für mich einer der praktischsten Use Cases überhaupt.
Störungen früh erkennen. Verspätungsmeldungen aus der Event-Verwaltung gibt es in TM längst. Was fehlt, ist die Bewertung: Welche Verspätung gefährdet tatsächlich eine Kundenlieferung? Genau das soll der angekündigte Agent für Störungsfrüherkennung leisten.
Wenn du eine TM-Einführung planst, lohnt es sich, diese Use Cases von Anfang an mitzudenken. Was eine Einführung generell kostet und woran sie scheitert, steht in SAP TM Einführung: Kosten, Dauer und typische Fehler.
Und im Lager mit SAP EWM?
Im EWM liegen die greifbarsten Funktionen im Bereich Personal: Arbeitslast vorhersagen, Schichten planen, Engpässe früh erkennen. Dazu kommt die KI-gestützte Lagerplatzoptimierung, die SAP ebenfalls als Neuerung nennt.
Ein Punkt, der in Deutschland gern untergeht: Sobald eine KI die Leistung einzelner Mitarbeiter auswertet, hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Außerdem kann so ein System unter die Hochrisiko-Regeln der EU-KI-Verordnung fallen. Das ist kein Grund, es nicht zu machen, aber ein Grund, den Betriebsrat ab dem ersten Workshop mit am Tisch zu haben. Mehr dazu in Darf ich SAP-Kundendaten in ChatGPT kopieren?.
Was du jetzt konkret tun kannst
- Release-Stand und Edition prüfen: Läuft dein System in der Public Cloud, über RISE oder On-Premise? Das entscheidet über fast alles.
- Im SAP Roadmap Explorer und in den Release-Informationen nachsehen, welche Joule-Funktionen für deine Edition und dein Release freigegeben sind.
- Einen einzigen Use Case mit messbarem Nutzen auswählen, zum Beispiel die Frachtrechnungsprüfung, statt „KI im Transport“ als Projekt aufzusetzen.
- Die Stammdaten für genau diesen Use Case prüfen, bevor über KI gesprochen wird.
- Datenschutz und Betriebsrat früh einbinden, vor allem bei allem, was Personal im Lager betrifft.
Buchtipp zum Einstieg
Wer die technische Seite verstehen will, also wie SAP Business AI, Joule und die KI-Dienste auf der SAP BTP zusammenspielen, findet einen guten Einstieg in Künstliche Intelligenz mit SAP von Larissa Haas (Rheinwerk)*. Auf rund 240 Seiten ist es kein Wälzer, sondern ein Überblick, den man an einem Wochenende durchhat. Eine größere Auswahl an Fachbüchern findest du bei den SAP Büchern.
Mein Fazit
Joule in TM und EWM ist 2026 an einem Punkt, an dem es interessant wird. Die Suchfunktionen der ersten Generation haben mich nicht überzeugt. Die Agenten, die Wareneingänge prüfen, Personal planen oder Frachtrechnungen vorsortieren, könnten das ändern. Aber nur in der Cloud, mit sauberen Stammdaten und mit einem klaren Use Case. Wer das nicht hat, sollte zuerst dort ansetzen.
Wenn du für so ein Vorhaben Unterstützung suchst, lies vorher SAP TM/EWM Berater finden: Worauf du achten musst.
Häufige Fragen
Gibt es SAP Joule für SAP TM?
Ja. Joule kann in SAP TM zum Beispiel Frachtaufträge und Transportdaten per Spracheingabe finden. Weitere Funktionen wie Agenten für Frachtrechnungsprüfung und Ausschreibung hat SAP angekündigt. Die meisten Funktionen gibt es nur in den Cloud-Editionen von SAP S/4HANA.
Funktioniert Joule auch mit SAP EWM?
Joule unterstützt in EWM Abfragen in natürlicher Sprache. Für 2026 hat SAP Agenten für die Prüfung von Wareneingängen, die Schichtplanung und eine vorausschauende Personalplanung im Lager angekündigt. Ob eine Funktion für dein System verfügbar ist, hängt von Edition und Release ab.
Kann ich Joule mit S/4HANA On-Premise nutzen?
Nur sehr eingeschränkt. SAP liefert neue KI-Funktionen vorrangig für SAP S/4HANA Cloud aus, also Public Cloud und Private Cloud über RISE. On-Premise-Kunden sollten pro Funktion in den Release-Informationen prüfen, ob sie unterstützt wird.
Was kostet SAP Joule?
Joule und SAP Business AI werden über ein eigenes Lizenzmodell abgerechnet, das zusätzlich zur S/4HANA-Lizenz kommt. Die Konditionen verhandelt jeder Kunde individuell mit SAP. Öffentliche Festpreise gibt es nicht.
Welcher KI-Use-Case lohnt sich in SAP TM am meisten?
Aus meiner Sicht die Frachtrechnungsprüfung und die Optimierung der Ausschreibung an Spediteure. Beide Prozesse sind heute oft manuell und kosten messbar Zeit und Geld. Voraussetzung sind saubere Frachtvereinbarungen und Stammdaten.
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Andreas Böhm (SAP TM/EWM Berater) inhaltlich geprüft und redaktionell verantwortet. Angaben zu Funktionen und Verfügbarkeit basieren auf Veröffentlichungen von SAP, Stand Oktober 2026.


