Kurz gesagt: Joule Studio ist die Entwicklungsumgebung von SAP, in der du eigene KI-Agenten und Erweiterungen für Joule baust. Sie ist Teil von SAP Build und richtet sich ausdrücklich nicht nur an Entwickler, sondern auch an Berater und Fachanwender. Der Agent Builder ist seit dem ersten Quartal 2026 allgemein verfügbar. Auf der SAP TechEd am 27. Oktober 2026 hat SAP nachgelegt: über 70 KI-Modelle zur Auswahl, n8n-Workflows für Early Adopter und eine kostenlose Laufzeit für ausgewählte Kunden bis Dezember 2026. Für Berater heißt das: Wer Prozesse und Schnittstellen kennt, kann damit Agenten entwerfen, ohne selbst Programmierer zu sein. Stand: Oktober 2026
Ich arbeite seit über 15 Jahren als SAP-Berater in TM und EWM und beschäftige mich im Job inzwischen auch mit KI. Joule Studio ist für mich das spannendste Werkzeug, das SAP gerade baut, weil es die Frage beantwortet, die Kunden immer stellen: „Schön, dass Joule Fragen beantwortet. Aber kann es auch etwas für unseren Prozess tun?“ Hier ist der Überblick, was Joule Studio ist, was du damit bauen kannst und wo die Grenzen liegen.
Was ist Joule Studio?
Joule ist der KI-Assistent in den SAP-Anwendungen. Joule Studio ist die Werkstatt dahinter: Hier legst du fest, was Joule zusätzlich können soll. Die Umgebung gehört zu SAP Build, der Low-Code-Plattform auf der SAP BTP.
In Joule Studio baust du im Wesentlichen zwei Dinge:
| Baustein | Was es ist | Vergleich |
|---|---|---|
| Joule Skill | Eine einzelne, klar umrissene Fähigkeit, etwa „Status eines Frachtauftrags abfragen“ | Ein Werkzeug |
| Joule Agent | Ein KI-Agent mit Anweisungen, der mehrere Skills, Schnittstellen und Workflows kombiniert und selbst entscheidet, welchen Schritt er als Nächstes macht | Ein Kollege, der mit mehreren Werkzeugen eine Aufgabe erledigt |
Fertige Agenten werden laut SAP automatisch bei Joule registriert. Der Anwender spricht also weiter nur mit Joule, und Joule ruft im Hintergrund deinen Agenten auf.
Was ist neu seit der TechEd 2026?
SAP hat am 27. Oktober 2026 auf der TechEd in Berlin mehrere Neuerungen für Joule Studio vorgestellt:
- Über 70 KI-Modelle: Du kannst für deine Agenten aus mehr als 70 proprietären und offenen Modellen wählen. Seit der Sapphire 2026 gehört auch Claude von Anthropic zu den Basismodellen für Joule-Agenten.
- n8n-Workflows: Teilnehmer des Early-Adopter-Programms können n8n-Workflows direkt in Joule Studio bauen und ausführen. SAP hat in n8n investiert. Die breite Verfügbarkeit soll folgen, ein Datum nennt SAP nicht.
- Mehr Kontrolle: Neue Funktionen zeigen, wie sich Agenten verhalten, welche Modelle sie nutzen und was das kostet.
- Sicherheit: Laut Berichten zur TechEd kommt eine Sicherheitsschicht von Nvidia dazu, die Agenten auf Manipulation prüft.
Was kostet Joule Studio?
Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, weil SAP gerade mehrere Aktionen parallel laufen hat:
| Was | Kosten laut SAP | Bis wann |
|---|---|---|
| Agenten und n8n-Workflows bauen und testen (Designzeit) | Kostenlos im Rahmen einer Fair-Use-Grenze | Laufend |
| Eigene Agenten auf der SAP-Laufzeit betreiben | Kostenlos für ausgewählte Kunden | Bis Dezember 2026 |
| Betrieb nach der Aktion | Kostenpflichtig, Preise nennt SAP noch nicht | Ab 2027 |
Zusätzlich hat SAP auf der Sapphire 2026 angekündigt, dass Kunden und Partner zwölf Monate kostenlosen Zugang zur Designumgebung bekommen. Welche Bedingungen für dein Unternehmen gelten und ob es zu den „ausgewählten Kunden“ gehört, klärst du am besten mit deinem SAP-Ansprechpartner. Die Preise ändern sich gerade schnell.
Low-Code oder Pro-Code: zwei Wege zum Agenten
SAP beschreibt in seiner Architektur-Empfehlung zwei Wege, einen Agenten zu bauen:
| Joule Studio (Low-Code) | SAP Cloud SDK for AI (Pro-Code) | |
|---|---|---|
| Für wen | Berater, Fachanwender, Entwickler | Entwickler und KI-Spezialisten |
| Wie | Anweisungen, Werkzeuge und Workflows visuell konfigurieren | Programmieren in Java, Python oder JavaScript, auch mit Frameworks wie LangGraph oder CrewAI |
| Werkzeuge | REST- und OData-Schnittstellen, SAP Build Process Automation, Geschäftsregeln | Alles, was sich programmieren lässt |
| Verbindung zu Joule | Automatisch | Über den Standard A2A |
| Wann sinnvoll | Klar beschriebener Prozess, Standard-Schnittstellen, schneller Prototyp | Komplexe Logik, eigene Anbindungen, spezielle Anforderungen |
SAP empfiehlt selbst, mit Low-Code zu starten und erst bei Bedarf auf Pro-Code zu wechseln. Das ist auch mein Rat: Der erste Agent sollte ein kleiner, klar abgegrenzter Prozess sein.
Was Berater mit Joule Studio bauen können
Das Entscheidende an Joule Studio ist nicht die Technik, sondern die Frage: Welcher Prozess lohnt sich für einen Agenten? Genau da sind Berater gefragt. Ein paar Ideen aus meinem Umfeld TM und EWM, die sich mit Standard-Schnittstellen grundsätzlich umsetzen lassen sollten:
- Offene Frachtaufträge ohne Spediteur: Der Agent sucht Frachtaufträge der nächsten Tage ohne zugeordneten Spediteur, fasst sie zusammen und schlägt dem Disponenten vor, wen er anfragen sollte.
- Rückfragen aus dem Lager: Ein Schichtleiter fragt Joule „Welche Lageraufträge für Tor 3 sind heute noch offen?“, der Agent ruft die passenden Daten ab und antwortet in einem Satz.
- Abweichungen bei der Frachtabrechnung: Der Agent vergleicht Frachtabrechnungen mit den vereinbarten Tarifen und listet Abweichungen über einer Schwelle zur Prüfung auf.
- Statusmeldungen an Kunden: Der Agent erstellt aus Sendungsstatus und Ereignissen einen Entwurf für eine Kundenmail, den ein Mitarbeiter freigibt.
Das sind Ideen, keine fertigen SAP-Produkte. Ob sie in deinem System funktionieren, hängt davon ab, welche Schnittstellen verfügbar sind, wie dein System angebunden ist und welche Berechtigungen der Agent bekommt. Wichtig ist in allen Fällen: Der Agent schlägt vor, ein Mensch entscheidet. Gerade bei Abrechnung und Kundenkommunikation würde ich nichts vollautomatisch laufen lassen.
Was Joule in TM und EWM heute schon von Haus aus kann, steht in SAP Joule in TM und EWM. Mehr zu KI im Transportmanagement und im Lager findest du in KI im Transportmanagement und KI im Lager mit SAP EWM.
Wo die Grenzen liegen
Joule Studio ist mächtig, aber kein Selbstläufer. Diese Punkte solltest du vor dem ersten Projekt kennen:
- Schnittstellen sind die Basis: Ein Agent kann nur nutzen, was über Schnittstellen erreichbar ist. Bei On-Premise-Systemen braucht es eine Anbindung an die SAP BTP, und viele Eigenentwicklungen haben keine saubere Schnittstelle. Das ist einer der Gründe, warum SAP so stark auf Clean Core setzt.
- Lang laufende Prozesse: Ein SAP-Partner beschreibt, dass Agenten, die Stunden oder Tage auf etwas warten, noch keine eingebaute Möglichkeit haben, an einem Punkt fortzusetzen. Das betrifft gerade Logistikprozesse mit Wartezeiten.
- Systemgrenzen: Sobald ein Agent Nicht-SAP-Systeme aufruft, wird die Nachverfolgung aufwendiger, weil Protokolle, Identitäten und Rücknahmen nicht mehr an einer Stelle liegen.
- Externe Agenten: Das Gateway, über das fremde Agenten Joule-Agenten aufrufen, war laut SAP-Architektur-Dokumentation lange nur ausgehend nutzbar. Zur TechEd hat SAP ein geregeltes Agent Gateway angekündigt.
- Kosten nach 2026: Nach Ende der Aktion wird der Betrieb kostenpflichtig. Plane das ein, bevor du einen Agenten produktiv setzt.
- Governance: Wer darf Agenten bauen, wer gibt sie frei, wer betreut sie? Und sobald ein Agent die Arbeit von Mitarbeitern bewertet, gehört in Deutschland der Betriebsrat an den Tisch.
So startest du mit Joule Studio
- Zugang klären: Frag in deinem Unternehmen oder beim Kunden, ob SAP Build und Joule Studio auf der BTP verfügbar sind und ob die kostenlose Designzeit genutzt werden kann.
- Lernen: SAP Learning bietet kostenlose Kurse zu Joule und SAP Build. Ein Einstieg in die BTP steht in SAP BTP: Der Guide.
- Kleinen Prozess wählen: Nimm eine Aufgabe mit klaren Regeln, wenigen Schritten und vorhandener Schnittstelle. Eine Statusabfrage ist ein besserer erster Agent als eine vollautomatische Abrechnung.
- Anweisungen sauber schreiben: Die Anweisungen eines Agenten sind im Kern ein guter Prompt. Wie man den aufbaut, steht in SAP Prompt Library.
- Testen mit echten Fällen: Prüf nicht nur, ob der Agent eine Antwort gibt, sondern ob er den Geschäftsfall richtig versteht, auch bei Sonderfällen.
Wer Joule Studio im Rahmen einer Zertifizierung vertiefen will, findet einen Überblick in SAP KI-Zertifizierung 2026.
Mein Fazit
Joule Studio ist der Teil von SAP Business AI, bei dem Berater am meisten mitgestalten können. Die Technik wird einfacher, aber die eigentliche Arbeit bleibt: den richtigen Prozess finden, die Regeln sauber beschreiben, Schnittstellen klären und festlegen, wo der Mensch entscheidet. Wer TM oder EWM kennt, hat dafür die besten Voraussetzungen. Mein Rat: Nutze die kostenlose Designzeit, bau einen kleinen Prototyp für einen echten Prozess und rechne vor dem Produktivbetrieb mit den Kosten ab 2027.
Häufige Fragen
Was ist Joule Studio?
Joule Studio ist die Entwicklungsumgebung von SAP für eigene Joule-Agenten und Joule-Skills. Sie gehört zu SAP Build auf der SAP BTP und bietet Low-Code-Werkzeuge für Berater und Fachanwender sowie Pro-Code-Möglichkeiten für Entwickler. Fertige Agenten werden automatisch bei Joule registriert.
Was ist der Unterschied zwischen einem Joule Skill und einem Joule Agent?
Ein Skill ist eine einzelne, klar umrissene Fähigkeit, etwa eine Statusabfrage. Ein Agent kombiniert mehrere Skills, Schnittstellen und Workflows, bekommt Anweisungen und entscheidet selbst, welchen Schritt er als Nächstes macht, um eine Aufgabe zu erledigen.
Ist Joule Studio kostenlos?
Das Bauen und Testen von Agenten und n8n-Workflows ist laut SAP im Rahmen einer Fair-Use-Grenze kostenlos. Den Betrieb eigener Agenten auf der SAP-Laufzeit bietet SAP ausgewählten Kunden bis Dezember 2026 kostenlos an. Danach wird der Betrieb kostenpflichtig, Preise hat SAP noch nicht genannt.
Brauche ich Programmierkenntnisse für Joule Studio?
Für einfache Agenten nicht. Anweisungen, Werkzeuge und Workflows lassen sich visuell konfigurieren. Für komplexe Logik oder eigene Anbindungen braucht es Entwickler, die mit dem SAP Cloud SDK for AI in Java, Python oder JavaScript arbeiten.
Funktioniert Joule Studio mit SAP S/4HANA On-Premise?
Grundsätzlich können Agenten über Schnittstellen auch auf angebundene Systeme zugreifen. Dafür muss das System an die SAP BTP angebunden sein und die nötigen Schnittstellen bereitstellen. SAP liefert neue KI-Funktionen aber vorrangig für die Cloud aus. Was im konkreten Fall geht, klärst du am besten mit deinem SAP-Ansprechpartner.
Quellen
- SAP News: SAP Empowers AI Developers (TechEd, 27. Oktober 2026)
- SAPinsider: SAP TechEd 2026, New Tools to Build and Govern AI Agents
- BornCity: Joule Studio öffnet Entwicklern den Zugriff auf über 70 KI-Modelle
- Techzine: SAP launches the Autonomous Enterprise at Sapphire 2026
- SAP Architecture Center: Build AI Agents
- Qubittron: Joule Studio Agent Builder Is GA (SAP-Partner, April 2026)
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Andreas Böhm (SAP TM/EWM Berater) inhaltlich geprüft und redaktionell verantwortet. Die Angaben zu Joule Studio stammen aus SAP News, dem SAP Architecture Center und Berichten von SAPinsider, BornCity, Techzine und Qubittron, Stand Oktober 2026. Funktionsumfang, Verfügbarkeit und Preise können sich ändern.


