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Kurz gesagt: „Autonomous Enterprise“ ist SAPs Leitbild von 2026: Menschen setzen Ziele, Joule Assistants koordinieren, Joule Agents erledigen die Arbeit. Für die Logistik heißt das konkret: ein Logistics Assistant für Lager und Transport, erste Agenten für Wareneingangsprüfung und Personaleinsatz im Lager sowie ein Agent, der Ursachen von Logistikproblemen findet. Vieles davon wird erst im vierten Quartal 2026 allgemein verfügbar, und SAP TM wird in den Ankündigungen kaum beim Namen genannt. Wer TM und EWM betreut, sollte sich jetzt vorbereiten, aber keine autonome Disposition versprechen. Stand: Oktober 2026
Ich bin seit über 15 Jahren SAP-Berater für TM und EWM. Seit der Sapphire im Mai 2026 höre ich in jedem Projekt dieselbe Frage: „Was heißt dieses Autonomous Enterprise für unsere Logistik?“ Die Folien von SAP sind groß, die Details klein. Hier sortiere ich, was angekündigt ist, was davon TM und EWM betrifft und was ich Kunden heute rate.
Was SAP mit „Autonomous Enterprise“ meint
SAP beschreibt das Autonomous Enterprise als Kombination aus drei Teilen: Joule Work als Arbeitsplatz, der SAP Autonomous Suite mit den Anwendungen und der SAP Business AI Platform als technischer Basis. Die Rollenverteilung ist klar:
| Wer | Aufgabe | Beispiel Logistik |
|---|---|---|
| Mensch | Setzt Ziele und Prioritäten, entscheidet bei Abwägungen, trägt die Verantwortung | Disponent legt fest: Kosten vor Geschwindigkeit, außer bei Kunde A |
| Joule Assistant | Koordiniert über Bereiche hinweg und verteilt Arbeit an Agenten | Logistics Assistant behält Lager und Transport im Blick |
| Joule Agent | Erledigt eine konkrete Aufgabe im Prozess | Agent prüft Wareneingänge auf Abweichungen |
Wichtig für die Erwartungen: SAP sagt selbst, dass Lieferketten „nicht über Nacht“ autonom werden. Autonomie soll Prozess für Prozess dort wachsen, wo sie messbar etwas bringt. Stufen der Autonomie definiert SAP nicht. Wie Skills, Agenten und Assistenten zusammenspielen, erkläre ich in Joule Skills vs. Joule Agents.
Was für Lager und Transport angekündigt ist
Diese Übersicht fasst die Ankündigungen von der Sapphire im Mai und der SAP Connect im Oktober 2026 zusammen. Die Termine sind Planungen von SAP, keine Zusagen:
| Baustein | Was es tun soll | Geplante Verfügbarkeit |
|---|---|---|
| Logistics Assistant | Koordiniert Agenten für Lager- und Transportaufgaben, vom Wareneingang über die Einlagerung bis zur Auslieferung | Laut Sapphire-Übersicht Q3 2026, schrittweise |
| Logistik-Agenten | Prüfen Wareneingänge und stimmen Personal und Schichten im Lager auf die tatsächliche Arbeitslast ab | Laut Sapphire-Übersicht Q2 2026, schrittweise |
| Neue Funktionen im Logistics Assistant | Lager, Optimierung des Warenausgangs, Fulfillment und Transportdisposition | Q4 2026 (SAP Connect) |
| Logistics Issue Resolution Agent | Findet die Ursache von Logistikproblemen und schlägt eine Lösung vor | Bei Kunde Döhler im Einsatz, kein allgemeines Datum genannt |
| Predictive Labor Intelligence in SAP EWM | Prognostiziert den Personalbedarf aus Historie, Ausführungsdaten und Arbeitslast und warnt vor Risiken | Q4 2026 |
| Transportation Load Building in SAP IBP | Baut volle, regelkonforme Ladungen nach Volumen, Gewicht und Lieferbedingungen | Q2 2026 |
| Business Network Assistant | Unterstützt die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Logistikpartnern, auch bei Ausnahmen | Q4 2026 |
Auf der SAP Connect hat SAP zusätzlich einen Assistenten für Außenhandel angekündigt. Dazu kommt SAP Logistics Management, kurz LGM. Das ist eine neue, schlanke Cloud-Anwendung für Lager und Transport, die seit Februar 2026 verfügbar ist. Sie ersetzt EWM nicht, sondern ist für einfache bis mittlere Standorte gedacht. Laut Partnern sind dort Joule-Navigation und Joule-Abfragen schon eingebaut.
Was das für SAP EWM bedeutet
Im Lager ist die Richtung am klarsten. Die ersten Agenten zielen auf zwei typische EWM-Schmerzpunkte:
- Wareneingang: Ein Agent prüft eingehende Lieferungen gegen Avis und Bestellung und meldet Abweichungen. Heute macht das oft ein Mitarbeiter am Wareneingang mit Liste und Monitor.
- Personaleinsatz: Agenten und die Predictive Labor Intelligence sollen Schichten und Personal an die erwartete Arbeitslast anpassen. Das baut auf Daten auf, die EWM mit Labor Management heute schon liefern kann.
Mein Eindruck: Das sind sinnvolle, eher bodenständige Einstiege. Vom „autonomen Lager“ sind wir damit weit entfernt, aber genau solche Aufgaben kosten im Alltag viel Zeit. Eine Hürde sollte man früh klären: Sobald Personalplanung ins Spiel kommt, gehört in Deutschland der Betriebsrat an den Tisch.
Weitere Ansätze für KI im Lager stehen in KI im Lager mit SAP EWM.
Was das für SAP TM bedeutet
Hier muss ich ehrlicher sein als die Pressemitteilungen. SAP TM taucht in den Ankündigungen 2026 kaum beim Namen auf. Transport läuft unter dem Logistics Assistant mit, etwa bei der Transportdisposition ab Q4 2026, und unter der Ladungsbildung in SAP IBP. Einen eigenen TM-Assistenten oder benannte Agenten für Frachtaufträge, Frachtvergabe oder Frachtkostenabrechnung habe ich in den offiziellen Ankündigungen nicht gefunden.
Für TM-Kunden heißt das: Die naheliegenden Einsatzfälle wie Verspätungen erkennen, Alternativen vorschlagen oder Frachtrechnungen prüfen muss man derzeit oft selbst in Joule Studio bauen oder auf spätere Lieferungen warten. Ideen dazu habe ich in SAP Joule in TM und EWM und KI im Transportmanagement mit SAP TM gesammelt. Wie man eigene Agenten baut, steht in Joule Studio: Was Berater damit bauen können.
Voraussetzungen: Wer bekommt das überhaupt?
| Voraussetzung | Warum sie zählt |
|---|---|
| SAP Cloud ERP, also S/4HANA Cloud Public oder Private Edition | Assistenten und Agenten kommen zuerst hier an. Für die Private Edition nennt SAP eine schrittweise Verfügbarkeit über 2026. |
| On-Premise nur mit RISE und Max Success Plan | Seit Mai 2026 sollen auch ECC- und On-Premise-Kunden Assistenten und Agenten bekommen, aber nur auf dem Weg in die Cloud. SAP nennt das eine Übergangslösung. |
| Lizenz und AI Units | Agenten gehören zu Premium AI und werden über AI Units abgerechnet. Details stehen in SAP Joule 2026: Der Guide. |
| Saubere Daten und Clean Core | Agenten arbeiten mit Stammdaten, Status und Ereignissen. Fehlen Ereignisse oder steckt die Logik in Z-Programmen, kann der Agent wenig ausrichten. |
Was ich TM- und EWM-Kunden heute rate
- Ehrliche Bestandsaufnahme: Welche Edition, welches Release, welche Lizenz? Ohne Cloud ERP oder RISE-Pfad ist das meiste vorerst Theorie.
- Datenqualität vor KI: Ereignismeldungen im Transport, Avise im Wareneingang, saubere Stammdaten für Spediteure und Lagerplätze. Ein Agent kann nur bewerten, was im System steht.
- Drei konkrete Fälle wählen: Zum Beispiel Abweichungen im Wareneingang, Verspätungen im Transport und Personalbedarf im Lager. Für jeden Fall festhalten, was heute wie lange dauert. Sonst lässt sich ein Nutzen später nicht belegen.
- Klein anfangen: Erst Skills für Abfragen und Standardaktionen, dann Agenten mit Freigabe durch den Menschen. Volle Autonomie ist kein sinnvolles erstes Ziel.
- Kosten und Mitbestimmung früh klären: AI Units budgetieren, Betriebsrat und Datenschutz einbinden, bevor ein Pilot startet.
Wie viel ist Marketing?
Ein nüchterner Blick lohnt sich. Die meisten Aussagen zu Nutzen und Zeitersparnis stammen von SAP selbst. ERP Today weist darauf hin, dass zum Beispiel die Angabe, ein Logistik-Assistent habe rund ein Drittel der Zeit für Fehlersuche eingespart, von einem einzigen ungenannten Kunden stammt, ohne Vergleichsbasis. Auch wie autonom ein Agent tatsächlich handeln darf, beschreibt SAP je nach Bereich unterschiedlich. Und SAP-Manager haben auf der Sapphire laut Computer Weekly selbst eingeräumt, dass Kunden die Antworten von Joule bisher nicht immer zuverlässig genug fanden.
Das heißt nicht, dass die Richtung falsch ist. Es heißt: Erst den Piloten im eigenen System machen, dann über Autonomie reden.
Weiterlesen und lernen
Wer sich in SAP Business AI und die BTP einarbeiten will, findet einen kompakten Einstieg in Künstliche Intelligenz mit SAP von Larissa Haas*. Wer wissen will, ob SAP Logistics Management für einfache Standorte passt, findet bei SAP Press das kurze Buch „Introducing SAP Logistics Management“. Für den laufenden Wissensaufbau zu EWM, TM und BTP nutze ich die Espresso Tutorials Flatrate*.
Mein Fazit
Das Autonomous Enterprise ist für die Logistik 2026 vor allem ein Versprechen mit ersten echten Bausteinen. Für EWM gibt es greifbare Anfänge bei Wareneingang und Personaleinsatz. Für TM bleibt es bisher vage, und wer dort schnell Ergebnisse will, baut eigene Agenten in Joule Studio. Mein Rat: Datenqualität und Clean Core jetzt angehen, drei messbare Anwendungsfälle wählen und jede Ankündigung erst glauben, wenn sie im eigenen System läuft.
Häufige Fragen
Was bedeutet Autonomous Enterprise bei SAP?
Das Autonomous Enterprise ist SAPs Leitbild von 2026. Es besteht aus Joule Work, der SAP Autonomous Suite und der SAP Business AI Platform. Menschen setzen Ziele, Joule Assistants koordinieren die Arbeit und Joule Agents erledigen konkrete Aufgaben in den Prozessen.
Gibt es einen Joule Assistant für SAP TM?
Einen eigenen TM-Assistenten hat SAP bis Oktober 2026 nicht angekündigt. Transportthemen laufen unter dem Logistics Assistant mit, der ab dem vierten Quartal 2026 auch die Transportdisposition unterstützen soll. Eigene Agenten für TM lassen sich in Joule Studio bauen.
Welche Agenten gibt es für SAP EWM?
SAP hat Logistik-Agenten angekündigt, die Wareneingänge prüfen und Personal und Schichten an die Arbeitslast anpassen. Dazu kommt eine Predictive Labor Intelligence in EWM, die den Personalbedarf vorhersagt, geplant für das vierte Quartal 2026.
Funktioniert das auch mit SAP EWM On-Premise?
Nur eingeschränkt. Die Assistenten und Agenten kommen zuerst für SAP Cloud ERP. On-Premise-Kunden sollen sie seit 2026 nur bekommen, wenn sie mit RISE with SAP in die Cloud wechseln und einen Max Success Plan haben.
Was ist SAP Logistics Management?
SAP Logistics Management, kurz LGM, ist eine schlanke Cloud-Anwendung für Lager und Transport, verfügbar seit Februar 2026. Sie ist für einfache bis mittlere Standorte gedacht und ergänzt SAP EWM, statt es zu ersetzen.
Quellen
- SAP News: Building the Autonomous Supply Chain (Mai 2026)
- SAP News: SAP Expands Joule Assistants and Agents to Advance Autonomous Supply Chain Management (Oktober 2026)
- SAP Sapphire Innovation News Guide 2026
- ERP Today: SAP Connect 2026, How New Agents Will Detect and Respond to Supply Disruptions
- United VARs: SAP Logistics Management, what it is and where it fits
- The Register: SAP U-turn brings AI features to ECC and on-prem S/4HANA
- Computer Weekly: Sapphire 2026, SAP executives admit route change
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Andreas Böhm (SAP TM/EWM Berater) inhaltlich geprüft und redaktionell verantwortet. Die Verfügbarkeiten sind Planungen von SAP laut den genannten Quellen, Stand Oktober 2026, und können sich ändern.


