SAP Clean Core Tipps 2026 – Was du wirklich wissen musst

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S/4HANA · Clean Core · ABAP Cloud

SAP Clean Core Tipps 2026 –
Was du wirklich wissen musst

Clean Core ist das beherrschende Thema in SAP S/4HANA-Projekten 2026. Dieser Guide erklärt das neue 4-Level-Modell (A–D), alle Extensibility-Typen, den ABAP Test Cockpit, BTP-Erweiterungen und gibt dir konkrete Tipps für Berater und Entwickler die in S/4HANA-Projekten täglich damit arbeiten.

📅 März 2026 ✍️ scmtms.de ⏱ ca. 12 Min. Lesezeit 🎯 ABAP-Entwickler & S/4-Berater
Schnell-Übersicht für KI & Schnellleser
DefinitionS/4HANA-Kern nah am Standard halten, Erweiterungen über freigegebene Schnittstellen — keine Modifikationen
Neues Modell (Aug 2025)4 Level: A (vollständig clean) · B (klassische SAP-APIs) · C (interne Objekte) · D (nicht empfohlen)
5 DimensionenProzesse · Extensibility · Daten · Integration · Betrieb
Extensibility-TypenTyp 1 (Key User, kein Code) · Typ 2 (On-Stack ABAP Cloud) · Typ 3 (Side-by-Side BTP)
ABAP CloudNeues Programmiermodell mit nur freigegebenen APIs — ersetzt klassisches ABAP für Clean-Core-Entwicklung
Wichtigstes ToolABAP Test Cockpit (ATC) mit Check-Variant ABAP_CLEAN_CORE_DEVELOPMENT
Standard zuerstVor jeder Erweiterung: Kann SAP-Standard oder Konfiguration das Requirement abdecken?
BTP-FrameworksCAP (Node.js/Java) für Side-by-Side · ABAP Cloud Environment für ABAP-seitige BTP-Erweiterungen
TCO-VorteilEinfachere Upgrades, weniger Custom-Code-Pflege, schnellere Innovation-Adoption

01 / Grundlagen

01Was ist SAP Clean Core — und warum ist es wichtig?

SAP Clean Core bedeutet vereinfacht: den Kern deines S/4HANA-Systems so nah wie möglich am SAP-Standard zu halten. Statt Standardcode direkt zu modifizieren (wie früher unter ECC gang und gäbe), werden alle Erweiterungen über freigegebene APIs, BAdIs und dedizierte Extensibility-Frameworks umgesetzt.

Das Ziel ist nicht Perfektion, sondern Upgrade-Stabilität und TCO-Reduktion. Jede direkte Modifikation am SAP-Standard ist beim nächsten Upgrade ein Risiko — Clean Core eliminiert dieses Risiko systematisch.

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Die wichtigste Faustregel

Schritt 1: Kann der Standard das Requirement abdecken? Wenn ja → Standard nutzen.
Schritt 2: Wenn nicht — kann ein Level-A- oder Level-B-Extension es lösen? Wenn ja → Extension bauen.
Schritt 3: Erst wenn beides nicht reicht, Level C oder — niemals freiwillig — Level D.

Warum Clean Core gerade 2026 so wichtig ist

  • RISE with SAP: Cloud-Migrationen scheitern an Custom Code — Clean Core ist die Voraussetzung
  • ECC-Wartungsende 2027/2033: Jedes Unternehmen muss migrieren, sauberer Code reduziert den Aufwand enorm
  • KI & Innovation: SAP’s AI-Features (Joule etc.) setzen auf standardisierte Datenpfade — Custom-Modifikationen blockieren das
  • Upgrade-Frequenz steigt: S/4HANA Cloud Public Edition hat quartalsweise Updates — ohne Clean Core ist das nicht handhabbar

02 / Das neue Modell

02Das neue 4-Level-Modell: A, B, C, D (August 2025)

SAP hat im August 2025 das frühere 3-Tier-Modell durch ein 4-Level-Reife-Modell abgelöst. Damit wurde die früher zu binäre Klassifikation in „clean“ und „nicht clean“ durch eine nuanciertere Einordnung ersetzt — praxisnäher und pragmatischer.

A
True Clean Core
Nur freigegebene SAP APIs und ABAP Cloud. Vollständig upgrade-sicher. Alle Extensions via BTP oder On-Stack mit ABAP Cloud Developer-Extensions.
✓ Vollständig Clean
B
Klassische SAP APIs
Compliant — nutzt zusätzlich gut dokumentierte klassische SAP-APIs (z.B. BAPIs, RFC-fähige FMs). Definierte, i.d.R. upgrade-stabile Schnittstellen.
✓ Empfohlen
C
Interne Objekte
Teilweise compliant. Greift auf SAP-interne Objekte zu. SAP plant Changelogs für betroffene Objekte, um Upgrade-Risiken früh erkennbar zu machen.
⚠ Prüfen & minimieren
D
Nicht empfohlen
Explizit nicht-empfohlene Objekte, direkte Modifikationen, Write-Zugriff auf SAP-Tabellen, implizite Enhancements. Maximales Upgrade-Risiko.
✗ Vermeiden
🎯

Bereits im alten 3-Tier-Modell? Kein Grund zur Panik

Das neue Level-Modell ist eine Weiterentwicklung, keine Revolution. Wer bereits Tier-1-Entwicklung mit ABAP Cloud betreibt, ist auf Level A oder B. Das neue Modell liefert nur mehr Granularität für Classic-ABAP-Developments — der Kurs ist identisch.


03 / Die 5 Dimensionen

03Die 5 Dimensionen von Clean Core

Clean Core ist kein rein technisches Thema. SAP definiert 5 Dimensionen, die alle adressiert werden müssen — von der Prozessgestaltung bis zum Betrieb.

⚙️
Prozesse
🔌
Extensibility
🗄️
Daten
🔗
Integration
🛠️
Betrieb

Dimension 1: Prozesse

Rund 80 % der Geschäftsprozesse laufen in allen Unternehmen nahezu identisch — und sind im SAP-Standard abgebildet. Nur die verbleibenden 20 % sind wirkliche Differenzierungsmerkmale. Clean Core verlangt, diese 80 % konsequent im Standard zu belassen und für Anpassungen Fit-to-Standard-Analysen mit SAP Signavio durchzuführen.

Dimension 2: Extensibility

Jede notwendige Erweiterung muss über das SAP-Extensibility-Framework erfolgen: freigegebene APIs, BAdIs, ABAP Cloud, RAP oder BTP — niemals durch direkte Core-Modifikation. Details im nächsten Kapitel.

Dimension 3: Daten

Datenqualität und saubere Datenmigration sind oft unterschätzte Clean-Core-Faktoren. Schlechte Datenqualität erzeugt Druck für kompensierende Custom-Logik — ein Teufelskreis. Das SAP Data Migration Cockpit unterstützt bei strukturierter Datenmigration.

Dimension 4: Integration

Jede neue Schnittstelle sollte über freigegebene OData- oder SOAP-APIs via SAP Integration Suite laufen — nicht mehr über BAPIs oder RFC-Direktaufrufe wo es released Alternativen gibt. Pre-Built Integration Content vom SAP Business Accelerator Hub reduziert Custom-Integration-Debt massiv.

Dimension 5: Betrieb

Clean Core ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Governance-Prozess. SAP Cloud ALM hilft beim Monitoring. ATC-Exemptions müssen regelmäßig reviewed werden — ein wachsendes Exemption-Log ist ein Frühwarnsignal für Governance-Drift.


04 / Extensibility-Typen

04Extensibility-Typen: On-Stack vs. Side-by-Side

Wenn Standard nicht reicht, gibt es drei Typen von Clean-Core-konformen Erweiterungen. Die Wahl hängt vom konkreten Use Case ab — nicht von einer Pauschalregel.

Typ 1 · On-Stack
Key User Extensions
Kein Coding. Via SAP Fiori Apps konfigurieren: Custom Fields, Custom Logic (BRF+), Custom Business Objects. Ideal für Anpassungen durch Power User.
Fiori Extensibility Apps
Typ 2 · On-Stack
Developer Extensions
ABAP Cloud direkt im S/4HANA-System (embedded Steampunk). Nur freigegebene APIs. RAP als Programmiermodell. Entwicklung in ADT Eclipse.
ABAP Cloud · RAP · ADT
Typ 3 · Side-by-Side
BTP Extensions
Außerhalb von S/4HANA auf SAP BTP. CAP (Node.js/Java) oder ABAP Cloud Environment. Kommuniziert über APIs & Events mit S/4HANA.
SAP BTP · CAP · Events
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Missverständnis: BTP ist nicht immer die Antwort

Clean Core wird manchmal fälschlicherweise mit „alles auf BTP auslagern“ gleichgesetzt. Das stimmt nicht. On-Stack-Extensions mit ABAP Cloud (Typ 2) sind vollständig Level-A-compliant. BTP (Typ 3) ist dann sinnvoll, wenn echte Entkopplung, spezifische BTP-Services oder eine eigenständige Anwendung benötigt wird. CAP setzt zudem andere Skills voraus (Node.js/JavaScript) als klassische ABAP-Entwicklung.

Wann welcher Extensibility-Typ?

SzenarioEmpfehlungBegründung
Einfaches Custom Field / Custom LogicTyp 1 (Key User)Kein Code, kein Upgrade-Risiko, sofort nutzbar
Komplexe Business-Logik, enge S/4-IntegrationTyp 2 (ABAP Cloud On-Stack)Volle S/4-Integration, ABAP-Skills nutzbar, Level A
Eigenständige App, eigene UI, lose KopplungTyp 3 (BTP Side-by-Side)Maximale Entkopplung, beste Upgrade-Isolation
Klassisches ABAP, freigegebene BAPIs/APIsLevel B (klassische APIs)Pragmatisch für viel bestehenden Code
Legacy Z-Code mit internen TabellenzugriffenLevel C → Roadmap zu B/ARisiko dokumentieren, Migration planen

05 / ABAP Cloud

05ABAP Cloud — das neue Entwicklungsmodell

ABAP Cloud ist SAPs neues Entwicklungsmodell für Clean-Core-konforme Erweiterungen. Der wichtigste Unterschied zum klassischen ABAP: Es sind ausschließlich freigegebene (released) APIs nutzbar. Der Zugriff auf interne SAP-Objekte, System-Tabellen oder nicht-freigegebene FMs ist syntaktisch und durch den ATC gesperrt.

RAP — ABAP RESTful Application Programming Model

Das ABAP RESTful Application Programming Model (RAP) ist das primäre Programmiermodell innerhalb von ABAP Cloud. RAP ermöglicht die Entwicklung von OData-Services, Fiori-Apps und Business-Objekten nach einem strukturierten, cloud-ready Ansatz.

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Entwicklungsumgebung wechselt von GUI zu ADT

ABAP Cloud und RAP werden ausschließlich in ADT (Eclipse) entwickelt — nicht mehr in SE80, SE24 oder anderen klassischen GUI-Transaktionen. Entwickler müssen diesen Shift aktiv vollziehen. Das ist für viele erfahrene ABAP-Entwickler eine spürbare Umgewöhnung.

Freigegebene APIs finden — Cloudification Repository Viewer

Nicht sicher ob eine API freigegeben ist? Der Cloudification Repository Viewer (GitHub und SAP-intern) zeigt welche Objekte freigebene APIs haben. Auch in ADT gibt es die Möglichkeit, den Freigabe-Status direkt beim Coding zu prüfen. Zusätzlich liefert der ATC entsprechende Warnungen.

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ABAP Cloud & RAP — Espresso Tutorials

Espresso Tutorials bietet praxisnahe E-Books und Onlinekurse zu ABAP Cloud, RAP und S/4HANA-Entwicklung. Der ideale Einstieg wenn du von klassischem ABAP auf das neue Modell umsteigen willst.

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06 / ABAP Test Cockpit

06ABAP Test Cockpit — Clean Core automatisch prüfen

Der ABAP Test Cockpit (ATC) ist das wichtigste Governance-Tool für Clean Core. Er analysiert statisch deinen ABAP-Code auf Verstöße gegen Clean-Core-Prinzipien — direkt in ADT oder per Transaktion ATC.

Die wichtigste Check-Variante

ABAP_CLEAN_CORE_DEVELOPMENT — dieser Check-Variant prüft ausschließlich auf Clean-Core-relevante Verstöße: nicht-freigegebene API-Nutzungen, direkte Tabellenschreibzugriffe, nicht erlaubte Statements. In S/4HANA 2025 (Private Cloud & On-Premise) ist er nativ enthalten. Für S/4HANA 2023 ist er via SAP Note 3565942 nachrüstbar.

ATC richtig einsetzen

  • In jede Entwicklungs-Pipeline integrieren — nicht erst am Ende des Projekts prüfen
  • Exemptions aktiv managen — ein wachsendes Exemption-Log ist ein Governance-Frühwarnsignal
  • Exemption-Begründungen dokumentieren — Approver und Begründung festhalten, regelmäßig reviewen
  • Clean Core Level als KPI tracken — Anteil Level-A/B-Extensions im Verhältnis zu C/D
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ATC-Exemptions: das stille Governance-Risiko

Exemptions sind oft unvermeidbar — aber sie müssen aktiv gepflegt werden. Ein Exemption-Log das über Monate wächst ohne Reviews ist eines der klarsten Frühwarnsignale für Governance-Drift. Definiere von Anfang an ein Review-Intervall (z.B. quartalsweise) und klare Eskalationspfade für kritische Exemptions.


07 / Tools & Transaktionen

07Tools & Transaktionen für Clean Core

Tool / TransaktionZweckWann nutzen?
ATC (ABAP Test Cockpit)Statische Code-Analyse auf Clean-Core-VerstößeTäglich in der Entwicklung, in CI/CD-Pipelines
Custom Code Migration App (Fiori)Analyse & Migration von Z-Code auf ABAP CloudBestandsaufnahme vor S/4HANA-Projekten
Cloudification Repository ViewerFreigegebene APIs und deren Status prüfenVor der Entwicklung: API-Suche
SAP SignavioProzess-Analyse, Fit-to-Standard-AssessmentProjektstart, Prozess-Dimension von Clean Core
SAP Cloud ALMMonitoring, Operations, Change-ManagementLaufender Betrieb und Upgrade-Vorbereitung
SAP Business Accelerator HubPre-Built Integration Content, API-KatalogIntegration-Dimension: vor eigenem Integrationscode
ADT EclipseEntwicklungsumgebung für ABAP Cloud und RAPJede Clean-Core-Erweiterung
Joule for DevelopersKI-basierte Code-Vorschläge, Clean-Core-Pattern, Unit TestsSAP Build Code, tägliche Entwicklung

08 / Praktische Tipps

0810 praktische Clean Core Tipps für Berater & Entwickler

Tip 1: Standard zuerst — immer

Bevor eine Erweiterung designt wird: Hat SAP das in der Zwischenzeit eingebaut? Viele Requirements die in ECC-Zeiten Custom Code erforderten, sind in S/4HANA Standard. Fit-to-Standard-Workshops mit SAP Signavio-Daten liefern valide Entscheidungsgrundlagen.

Tip 2: Vor dem Coding: Pre-Development-Check

Disziplinierte Entwickler laufen vor jeder neuen Entwicklung einen kurzen Check: Gibt es eine freigegebene API dafür? Wurde ein nicht-Standard-Ansatz governance-approved? Auf welchem Level wird diese Extension klassifiziert? Übersteht sie das nächste Upgrade?

Tip 3: ATC von Tag 1 in die Pipeline

ATC-Checks am Ende des Projekts nachzuholen ist teuer und schmerzhaft. ATC gehört von Anfang an in den Entwicklungsprozess — idealerweise automatisiert als Qualitätsgate, bevor Code transportiert werden kann.

Tip 4: Business-Stakeholder einbinden — Customization hat einen Preis

Berater stehen oft unter Druck, Kundenanforderungen umzusetzen. Clean Core gibt dir das Argument: „Diese Anpassung kostet bei jedem Upgrade X Tage Nacharbeit.“ Wer Customization als technische Schuld mit konkretem TCO-Preis darstellt, gewinnt schneller Zustimmung für Standard-Alternativen.

Tip 5: Z-Code inventarisieren — vor dem Projekt

In Brownfield-Projekten: Custom Code Migration Tool vor Projektbeginn einsetzen. Es zeigt die Menge, den Level und die Nutzungsfrequenz aller Z-Entwicklungen. Ungenutzte Entwicklungen stilllegen, häufig genutzte auf Level A/B migrieren, selten genutzte C/D auf der Roadmap planen.

Tip 6: Nicht alle BAdIs sind gleich

Nur freigegebene BAdIs (als released markiert) sind Clean-Core-konform. Klassische User-Exits und implizite Enhancements sind Level D. Der ATC hilft, den Unterschied automatisch zu identifizieren.

Tip 7: Integrations-Debt explizit managen

Schnittstellen über BAPIs und RFC-Direktaufrufe sind oft unsichtbares Upgrade-Risiko. Inventarisiere alle Schnittstellen auf released OData/SOAP-Alternativen. SAP Business Accelerator Hub hat für viele Standard-Integrationen bereits fertigen Content.

Tip 8: Joule for Developers nutzen

Seit 2025 in SAP Build Code verfügbar: Joule for Developers gibt Echtzeit-Vorschläge für Clean-Core-konforme Muster, erklärt Code und generiert Unit Tests. Für ABAP-Entwickler die neu mit ABAP Cloud und RAP arbeiten, spart das erheblich Zeit.

Tip 9: Level-C-Extensions: Changelog-Monitoring einrichten

SAP plant, für Level-C-relevante interne Objekte einen Changelog bereitzustellen. Wer Level-C-Extensions hat, muss Upgrade-Changes frühzeitig identifizieren. Richte SAP Cloud ALM für entsprechendes Monitoring ein und überprüfe den Changelog vor jedem Upgrade.

Tip 10: Clean Core als laufenden Prozess — nicht als Projekt

Clean Core ist kein einmaliges Bereinigungsprojekt. Es braucht eine dauerhafte Governance-Struktur: klare Rollen, Entscheidungsprozesse für Erweiterungen, regelmäßige ATC-Reviews und Tracking des Extension-Levels als KPI im Betrieb.

📗

SAP S/4HANA & Clean Core — Rheinwerk Verlag

Der Rheinwerk Verlag bietet tiefgehende Bücher zu S/4HANA-Implementierung, ABAP Cloud und Architektur-Entscheidungen. Ideal für alle die Clean Core systematisch in SAP-Projekten umsetzen wollen.

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09 / Herausforderungen

09Typische Herausforderungen — und wie du sie löst

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Challenge 1: „Wir brauchen das aber genau so wie im alten System“

Der häufigste Widerstand. Antwort: SAP-Standard hat sich weiterentwickelt. Was in ECC 2010 Custom Code brauchte, ist 2026 oft Standard. Fit-to-Standard-Workshop mit Live-System-Demo überzeugt mehr als Folien.

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Challenge 2: Riesige Menge an Legacy-Z-Code

Custom Code Migration Tool zeigt dir, welche Z-Entwicklungen tatsächlich genutzt werden. Erfahrungsgemäß sind 30–50 % des Z-Codes ungenutzt und können direkt gelöscht werden. Den Rest priorisieren: häufig genutzt + Level D → Migration planen. Selten genutzt + Level D → Stilllegen oder akzeptiertes Risiko dokumentieren.

⚠️

Challenge 3: Entwickler-Skills für ABAP Cloud fehlen

ABAP Cloud und RAP erfordern Umdenken. Eclipse statt GUI, RAP statt SE24, freigegebene APIs statt freie Tabellenzugriffe. Gezieltes Upskilling ist unvermeidbar — SAP Learning Hub, Espresso Tutorials und die SAP Community bieten gutes Material. Clean-Core-Bootcamps von SAP sind kostenlos verfügbar.

⚠️

Challenge 4: Freigegebene APIs fehlen für bestimmte Anwendungsbereiche

Nicht alle SAP-Bereiche sind vollständig mit released APIs abgedeckt — das ist eine Realität die SAP selbst einräumt. In diesen Fällen ist Level C oder pragmatisch Level B mit klassischen APIs die richtige Entscheidung. Clean Core ist ein Ziel, kein Absolutismus.


10 / FAQ

10FAQ – Häufige Fragen zu SAP Clean Core

Was bedeutet Clean Core bei SAP konkret?
Clean Core bedeutet: Den S/4HANA-Kern nah am SAP-Standard halten und keine direkten Modifikationen am Standard-Code vornehmen. Stattdessen werden alle Erweiterungen über freigegebene Schnittstellen (released APIs, BAdIs), ABAP Cloud oder SAP BTP umgesetzt. Ziel ist Upgrade-Stabilität, reduzierte TCO und schnellere Innovation-Adoption.
Was sind die 4 Clean Core Level A, B, C, D?
SAP hat im August 2025 ein 4-Level-Modell eingeführt: Level A (vollständig clean, nur ABAP Cloud und released APIs), Level B (compliant, nutzt auch klassische SAP APIs), Level C (teilweise compliant, greift auf interne SAP-Objekte zu — Upgrade-Risiko vorhanden), Level D (nicht empfohlen — direkte Modifikationen, nicht freigegebene Objekte, Write-Zugriff auf SAP-Tabellen). Ziel: alle Extensions auf Level A oder B bringen.
Was ist der ABAP Test Cockpit und wie hilft er bei Clean Core?
Der ATC ist ein statisches Code-Analysetool in SAP. Mit dem Check-Variant ABAP_CLEAN_CORE_DEVELOPMENT werden automatisch Clean-Core-Verstöße gefunden: nicht-freigegebene APIs, direkte Tabellenzugriffe, veraltete Statements. Nativ in S/4HANA 2025, via SAP Note 3565942 nachrüstbar für 2023. ATC sollte in jede Entwicklungs-Pipeline integriert werden — nicht erst am Projektende als Überraschung.
Muss ich für Clean Core alles auf SAP BTP auslagern?
Nein. Das ist ein häufiges Missverständnis. BTP-Side-by-Side-Extensions sind eine von drei Optionen. On-Stack-Extensions mit ABAP Cloud (Typ 2) sind vollständig Level-A-compliant und laufen direkt im S/4HANA-System. BTP macht Sinn für entkoppelte Eigenanwendungen, spezifische BTP-Services oder wenn maximale Upgrade-Isolation gewünscht ist. Für eng integrierte Business-Logik ist On-Stack oft die bessere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen ABAP Cloud und klassischem ABAP?
Der wichtigste Unterschied: ABAP Cloud erlaubt ausschließlich freigegebene (released) SAP-APIs. Zugriff auf interne Objekte, System-Tabellen oder nicht-freigegebene FMs ist technisch nicht möglich. Zudem wird ABAP Cloud in ADT (Eclipse) entwickelt, nicht mehr in SE80 oder klassischen GUI-Transaktionen. Das Programmiermodell heißt RAP (ABAP RESTful Application Programming Model).
Gilt Clean Core auch für bestehende ECC/S/4HANA-Systeme mit viel Legacy-Code?
Ja — aber als Reise, nicht als Sofortmaßnahme. Der pragmatische Ansatz: Zuerst Custom Code Migration Tool einsetzen um den Ist-Zustand zu verstehen. Ungenutzte Z-Entwicklungen löschen. Häufig genutzten Level-D-Code priorisiert auf Level A/B migrieren. Level-C-Code mit konkreter Roadmap versehen. Das neue 4-Level-Modell wurde speziell entwickelt um diese Realität von Systemen mit viel Legacy-Code abzubilden.

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Quellen: SAP News Center – Extend SAP S/4HANA Cloud the Right Way (Aug 2025) · SAP Community – ABAP Extensibility Guide (Aug 2025) · SAP Blog Press – Clean Core Principles & Best Practices · IgniteSAP – Clean Core in Practice (März 2026) · Deloitte UK – Clean Core Pragmatic Approach · SAP Learning Hub – Managing Clean Core.

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